
Mit einer klaren Vision und einer großen Leidenschaft für Blumen hat Ina Sellke in Kanzem ihr eigenes kleines Paradies geschaffen. Vom Blumenfeld bis zum Blumenschrank beweist sie, dass Nachhaltigkeit und Schönheit Hand in Hand gehen können. Ihre Liebe zur Natur und das Bewusstsein für ökologische Verantwortung sind der Kern ihres Projekts, das weit mehr ist als nur Blumen – es ist ein Erlebnis. Wir sprechen mit Ina über ihre Reise vom Handwerk zur Blumenfarm, wie sie unsere Region mit seltenen Blumen bereichert und warum ihr Projekt für sie so viel mehr ist als ein Business.
Du lebst mit deiner Familie in Kanzem – ursprünglich kommst du aber aus Saarbrücken. Erzähl doch mal: Was hat dich an die Saar verschlagen – und was bedeutet dir dieser Ort heute?
Ja, ich bin sozusagen die Saar weiter runtergeflossen. Aber meine Eltern sind beide an der Mosel aufgewachsen. Als Kind konnte ich mir bei Besuchen bei meinen Großeltern nicht vorstellen, hier einmal zu leben. Es war mir zu langweilig – aus Stadtkindsicht vielleicht verständlich. Heute liebe ich die Beschaulichkeit. Auch die Liebe hat mich dazu gebracht, dem Landleben eine Chance zu geben. Mein Mann Marwin Rüffer ist in Trier aufgewachsen und mit seiner Baumpflegefirma in Konz fest verwurzelt. Unsere Tochter ist in Kanzem geboren, und wir fühlen uns hier zu Hause. Für uns beide bedeutete “Familie gründen” auch, sesshaft zu werden. Und hier an der “wilden Saar” – wie unsere Nachbarin Anna Reimann den Fluss liebevoll nennt – haben wir ein wunderschönes Plätzchen gefunden.
Was hast du beruflich gemacht, bevor du dein Herz an die Blumen verloren hast? Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Ich will etwas ganz anderes machen – etwas Eigenes, etwas mit Blumen?
Ich habe in der Schweiz eine Ausbildung zur Konditorin und Confiseurin gemacht. Das war die erste Sache, die ich richtig durchgezogen habe. Also war klar: Handwerk kann ich. Aber die Arbeitsbedingungen waren mir zu hart. Ich arbeitete im Schichtbetrieb und wusste, das halte ich mental und körperlich nicht lange durch. Studieren – etwa Landschaftsarchitektur oder Bildwissenschaften – war mir zu theoretisch. Auch mein FSJ an der Waldorfschule Saarbrücken zeigte mir: Pädagogik ist nicht mein Ding. Ich habe in einem kleinen Designladen gearbeitet, aber das Machtgefälle dort empfand ich als belastend. Dass ich mich selbständig machen will, wusste ich schon lange. Nur das “Was” hat eine Weile gedauert. Umso erleichterter bin ich, dass diese Findungsphase nun vorbei ist.
Vergangenes Jahr bist du mit deinem Blumenschrank in Kanzem und Konz-Berendsborn viral gegangen. Wie bist du auf diese wunderbare Idee gekommen?
Mit meiner Mutterschaft habe ich die Gartenarbeit für mich entdeckt. “Das Feld bestellen” ist ja auch etwas sehr Emotionales. Einige Inspirationen für den Schnittblumenanbau hatte ich:
Als Schülerin habe ich in einer Gärtnerei im Saarland gearbeitet und dort gerne bei den Blumen für den Markt geholfen. Diese bunten, einfachen Sträuße ohne Füllgrün haben mich nachhaltig geprägt.
Später entdeckte ich auf Instagram Erin Benzakein von der “Floret Flower Farm”. Ihre Blumen sind atemberaubend schön, und ihre Philosophie hat mich sofort gepackt: Sie züchtet offen, teilt ihr Wissen, verkauft kein Hybridsaatgut, sondern Open-Source-Samen – ein fast schon feministischer Ansatz. Die Großindustrie hasst das. Ich liebe es.
Auch die amerikanische “Flower Farmer”-Szene hat mich inspiriert – gerade Beetreihen, dicht bepflanzt, um lange Stiele, weniger Beikraut und mehr Ertrag zu erzielen. All das habe ich übernommen.
Dein Konzept basiert auf Vertrauen: Frische Blumensträuße auf Vertrauensbasis. Hattest du Zweifel, ob das funktioniert? Wie waren die Reaktionen aus der Nachbarschaft?
Ich hatte keine Zweifel. Freunde und Nachbarn schon – sie kannten die klassischen Geschichten aus dem Regionalfernsehen von beklauten Erdbeerbuden. Aber meine Blumenschränke stehen in bewohnten Straßen. Ich denke, das schützt.
Und: Die Menschen hier sind einfach toll. Wenn man den Schrank sieht, ist der erste Impuls oft: “Oh, wie schön.” Das soll so bleiben.
In diesem Jahr hast du noch einen Schritt weitergedacht und dein Blumenfeld in Kanzem eröffnet. Wie kam es dazu?
Der Zeitpunkt war perfekt. Die Nachfrage war da – auch dank deinem Reichweiten-Boost, Bea. Ich habe also Land gepachtet, einen landwirtschaftlichen Betrieb gegründet, mit Marwin ein wunderschönes Gewächshaus gebaut und Beet um Beet angelegt. Alles war stimmig. So kann Wachstum Spaß machen – und vielleicht wird es bald auch ein echter Beitrag zu unserem Lebensunterhalt.
Was erwartet uns auf dem Feld? Und was bedeutet “betreutes Pflücken”?
Die Blumenfarm ist kein klassisches Selbstpflückfeld mit Sonnenblumen. Hier wachsen seltene Sorten, die ich sammele, vermehre und per Hand bestäube. Ich möchte nicht anonym verkaufen, sondern Gastgeberin sein: Ich zeige euch, wie man erntet, was stehen bleiben muss, worauf es ankommt. So wird das Pflücken zum Erlebnis.
Du züchtest teils seltene, außergewöhnliche Blumen – was fasziniert dich daran? Wie entscheidest du, was du anbaust?
Ich bin Sammlerin durch und durch. Ich stehe auch mal um vier Uhr morgens auf, um seltene Zinnien-Samen in Kanada zu bestellen. Und wenn sie heil ankommen und die erste Blüte aufgeht, dann tanze ich durch den Garten. Ich liebe Dahlien, Zinnien, Duftwicken – vor allem in Rosa- und Orangetönen und mit außergewöhnlicher Wuchsform.
Was macht das Leben in Kanzem für dich besonders? Und gibt es etwas, das du aus Saarbrücken vermisst?
Ich liebe den Garten, die Farm, den Saarstrand und die Nähe zur Stadt. Flohmärkte sind meine Leidenschaft – da ist die Lage nahe Belgien und Frankreich ideal. Manchmal fehlt mir der saarländische Dialekt. Und Quanah Schott – der beste Croissant-Bäcker in Saarbrücken!
Gab es auch Herausforderungen oder Rückschläge?
Klar! Jedes Gartenjahr ist anders. Manche Sorten gedeihen nicht, Wühlmäuse, Schnecken und Elstern nerven. Trockenheit und Spätfrost setzen zu. Aber genau das macht es spannend. Jede Saison bringt eine neue Chance.
Wie sieht deine Vision aus – für dein Feld, deine Blumen, vielleicht auch darüber hinaus?
Ein eigener Onlineshop für meine Züchtungen! Und weniger Abhängigkeit von der Saison. Ich bin Teil der Slowflowers-Bewegung und möchte mich dort noch mehr einbringen. Ich hoffe, die viele Arbeit, die wir in unseren Boden stecken, zahlt sich aus: Weniger Verdichtung, mehr Humus, mehr Leben im Boden – da gibt es noch viel zu tun.
Zum Schluss: Was wünschst du dir für dich, dein Projekt oder die Region?
Ich wünsche mir, dass die Menschen verstehen, wie nachhaltige Landwirtschaft zu echter, generationenübergreifender Fairness führt. Ich bin überzeugt: Wir sollten nur noch pestizidfreie, saisonale und regionale Schnittblumen anbauen. Amen!
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