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Cynthia Peters, Inhaberin der Trierer Möbelbörse

Flohmärkte und große Flohmarkthallen hatten schon immer einen Platz in Cynthias Herz. Von der gelernten Kauffrau für Dialogmarketing führte ihr Weg zur Übernahme der Möbelbörse, die sie gemeinsam mit ihrem Mann in Trier-Euren betreibt. 
Wir treffen die Unternehmerin und erfahren, woher ihre Liebe zu Flohmärkten kommt und warum sie ihren Traum ausgerechnet in Trier und nicht in Holland verwirklicht hat.


Liebe Cynthia, wie kommt man auf die Idee, eine Möbelbörse zu übernehmen und zu betreiben?

Mein Mann hat ein Entsorgungsunternehmen und da kam die AWO-Möbelbörse öfter bei uns vorbei, um etwas zu entsorgen oder Container aufzustellen. So ist damals der Kontakt entstanden. Wir haben dann erfahren, dass sie insolvent sind und einen neuen Pächter suchen. Die AWO hat zunächst niemanden gefunden, aber zwei, drei Tage bevor die Frist abgelaufen ist, hat sich mein Mann dann mit dem Insolvenzverwalter in Verbindung gesetzt und gesagt “Okay, komm, wir machen das jetzt einfach”. 

Wir sind große Holland-Fans und sehr oft dort. Mein Mann und ich haben uns immer gesagt, dass wir irgendwann mal einen Flohmarkt aufmachen wollen und dann hat sich diese Gelegenheit ergeben. Es musste einfach so sein.

Was hast du vorher beruflich gemacht?

Ich habe eine Ausbildung bei der Telekom als Kauffrau im Dialogmarketing gemacht. Damals, im Jahr 2014, hatte ich schon einen Sohn und habe die Ausbildung durchgezogen. Ich wurde sogar von der IHK ausgezeichnet, weil ich die Ausbildung so gut abgeschlossen habe. Nach zweieinhalb Jahren war ich dann fertig und habe für ungefähr drei Jahre auch bei der Telekom gearbeitet. 

In der Zeit habe ich jedoch schon gemerkt, dass das nicht so meins ist. Ich wurde dann aber ein zweites Mal schwanger und hatte durch die Elternzeit nochmal ein wenig Bedenkzeit und bin dann auch wieder zurück. Damals war dann jedoch viel Homeoffice und dadurch habe ich dann erkannt, dass es nicht das Gebäude oder die Menschen sind, sondern die Arbeit an sich, die mich nicht zu 100 Prozent glücklich macht. 

Ich habe damals in der Beschwerdeabteilung gearbeitet, wo die Leute anrufen, wenn sie technische Probleme haben und das war einfach nicht so mein Ding. 

Cynthia Peters, Inhaberin der Möbelbörse in Trier | Foto: Beatrice Linzmeier

Woher kommt die Leidenschaft für Flohmärkte und holländische Flohmarkthallen?

Ich glaube, weil meine Eltern auch immer alte Möbel hatten und sie aufgearbeitet haben. Upcycling, was jetzt total im Trend ist, das haben meine Eltern schon früher gemacht. Meine Eltern sind damals auch viel mit mir auf Flohmärkte gegangen. Sie haben immer nach coolen Sachen oder Einzelstücken gesucht und diese Liebe ist, glaube ich, einfach hängen geblieben.

Du hast gesagt, dass du vorher nicht so richtig glücklich warst. Was liebst du am meisten an deinem neuen Job?

Man weiß nie, was kommt. Jeder Tag ist neu und man weiß nie, wer heute kommt oder welche neuen Schätze in unser Sortiment aufgenommen werden. Das kann echter Goldschmuck sein oder eine Marionette, die 50, 60 oder 100 Jahre alt ist. 

Und man schaut sich die Sachen einfach an und fragt sich: “Was hat das schon durchgemacht? Was hat es schon erlebt? Was hat es schon gesehen?” Und dass die Sachen meistens Unikate sind und Leben haben, aber auch eine Geschichte, das ist einfach toll.

Welche Stammkunden habt ihr? Kommen die meisten aus Trier, aus der Region oder von weiter her?

Das ist bunt gemischt. Das geht von jemandem, der nur hier reinkommt, weil er einfach nicht viel hat, bis hin zu jemandem, der quasi die ganze Halle hier auf einmal kaufen könnte. Es kommen viele verrückte Leute hierher. 

Ich sage immer, Trier ist ein Irrenhaus und wir sind die Zentrale. (Cynthia lacht) Es kommen viele Kreative hierher, die etwas Besonderes suchen, um etwas zu basteln oder etwas umzugestalten. Es ist eine sehr bunte, aber auch tolle Mischung von Kunden.

Du hast ja auch 13.000 Follower auf Instagram. Auf dem Account ist ganz schön was los. Was ist das Geheimrezept für gutes Social Media Marketing? 

Ich möchte die Leute einfach daran teilhaben lassen, was es für verrückte Sachen gibt. Manchmal kommen hier Sachen rein und man fragt sich, wozu das gut sein soll? Was ist das überhaupt? Manchmal kommen aber auch sehr kuriose Sachen, wie zum Beispiel ein Jesus mit einem Pelzmantel, und da will ich die Leute einfach mitnehmen. 

Ich möchte zeigen, dass es auch andere Dinge gibt als die Standardvariante, die man sonst in jedem Bauhaus findet. Mit Second Hand kann man alles ein bisschen alternativer und persönlicher gestalten und muss sich nicht immer neue Sachen kaufen. 

Aber ich möchte mit dem Konto natürlich auch erreichen, dass sich das Image des Ladens ein bisschen ändert. Viele denken, das ist Second Hand, das will ich nicht, das ist uncool und dreckig. Aber Second Hand ist so viel mehr und ich möchte, dass das enttabuisiert wird. Deshalb habe ich mir gedacht, ich nehme Instagram und Facebook mit ins Boot, damit es ein bisschen cooler wird und die Leute wissen, dass man auch für wenig Geld einen hochwertigen Schrank bekommen kann.

Cynthia Peters, Inhaberin der Möbelbörse in Trier | Foto: Beatrice Linzmeier

Und wer folgt dir so? Sind das Trierer*innen oder sind das auch von überall her?

Die Follower kommen von überall. Auch Luxemburg und Holland sind vertreten

Und woher kommt ihr? 

Aus Trier. Die ersten neun Jahre habe ich in Ehrang gewohnt, danach bin ich 15 Mal umgezogen. Ich war schon überall einmal. (Cynthia lacht) Mein Mann kommt auch aus Trier und jetzt wohnen wir quasi direkt zwischen Mosel und Innenstadt.

Warum habt ihr euch für Trier entschieden? Ihr hättet ja auch nach Holland gehen und dort eine Halle aufmachen können. 

Trier ist überschaubar. Trier ist unser Zuhause und die Landschaft hier ist einfach toll. Die Leute sind vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig und das sage ich, obwohl ich hier aufgewachsen bin. (Cynthia lacht) 

Ich bin mit dem Spruch aufgewachsen: “Was sollen die Leute von dir denken?” Du darfst hier nichts falsch machen, sonst kriegst du einen Stempel aufgedrückt. Auch wenn man mit etwas Neuem kommt. “Nee, mach das lieber nicht, bleib in deiner Komfortzone.”

Das finde ich schade. Alles, was neu ist und vielleicht frischen Wind in die Stadt bringt oder auch jemand, der irgendwie anders ist, passt irgendwie nicht in die Stadt oder hat es zumindest schwerer, hier Anschluss zu finden. Aber Trier ist eine sehr lebenswerte Stadt, in der man gerne zu Hause ist.


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**Das Interview führte Beatrice Linzmeier. Die redaktionelle Bearbeitung erfolgte durch Fabienne Hofmeister.

Über die Autorin
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Beatrice Linzmeier
Bea ist die Initiatorin von DearTrier.de. Die gebürtige Triererin ist aus der Hauptstadt zurück in ihre schöne Heimatstadt Trier gezogen. Hier betreibt sie eine kleine Social Media Agentur, schreibt für ihr Blogprojekt und genießt das Leben mit ihrer Family in vollen Zügen.

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